Weihnachten voll aus Sand

An Weihnachten muss gefälligst Schnee liegen und es sollte kalt sein.

So stellen wir uns das besinnliche Weihnachtsfest vor. Doch wie wäre es mal etwas anders!?
Nicht Schnee, sonder Sand? Ja richtig gehört, Sand. Aber nicht am Strand unter Palmen, mit einem rauschenden Ozean vor der Tür und dem Weihnachtsmann in Badeshorts. Nein, Weihnachten voll aus Sand...

 

2010 auf 2011 absolvierte ich ein ERASMUS Semester im Süden von Spanien. Besser gesagt in Granada, eine traumhafte und sehr entspannte andalusische Stadt, umhüllt von Bergen, wo es in den Wintermonaten die Möglichkeit gibt, am Morgen in der Sierra Nevada Ski zu fahren und am Abend den Sonnenuntergang, in einer Stunde Entfernung, mit Sangria am Strand zu verbringen.
Diese Möglichkeit besteht nur an wenigen Orten in dieser Welt.

Es war eine verrückte Zeit, vielen Parties und umso mehr Tapas. Denn Granada ist eine der wenigen Städte in Spanien, die kostenlos Tapas zu alkoholischen Getränken serviert. (In diesem Link findest du die Top 10 Tapas Places in Granada)

Was sind Tapas überhaupt?

Tapas sind kleine Appettithäppchen die üblicherweise zu Wein, aber auch zu Bier gereicht werden. Es gibt unendlich viele verschiedene Variationen, so beispielsweise kleine Bagels, Toasts mit Schinken und Käse oder kleine Meeresfrüchte als Fingersnack. Echt eine leckere Angelegenheit und Abendessen braucht man nach zwei oder drei Bier auch nicht mehr!

 

Neben den abendlichen Tapas musste ich auch noch ein wenig in die Uni und so tun als ob ich studiere. Schlussendlich habe ich mir aber nur meinen Spanischkurs anerkennen lassen und den Rest, naja, durch die meisten Kurse bin ich durchgefallen. Aber was wollte ich auch erwarten, wenn ich fast nie da war! 😀 (*reusper* - nehmt euch bitte kein Beispiel an mir in Sachen Uni!)

Wie das immer so ist, lernt man viel Menschen kennen. So unter anderem auch Anja, eine Deutsche junge Dame, die ebenso an der Uni in Granada für ein Semester studierte. Wir verstanden uns von Anfang an ziemlich gut und verbrachten viele Stunden mit Parties und Tapas!
Da Granada so nah an Marokko ist, entschieden wir uns schnell einen kurzen Trip in das nordafrikanische Land zu machen. Und ganz ehrlich, was bietet sich da besser an als die Weihnachtszeit!?

Marokko

Gesagt getan. Kurz vor Heiligabend ging es mit Raynair von Málaga nach Marrakesch. Der Perle des Südens. Wie die im Südwesten des Landes liegende Stadt liebevoll genannt wird.
Marrakesch ist verrückt, lebendig und farbenfroh. Ich war reizüberflutet im ersten Moment. Eine so andere Kultur, eine andere Sprache, alles sieht anders aus.
Das lag aber daran, dass ich bis zu diesem Zeitpunkt noch keinerlei Erfahrung mit der arabischen Kultur sammeln durfte.


Kaum auf dem Djemaa el Fna (zentraler Marktplatz; Bedeutung: Versammlung der Toten) in Marrakesch angekommen, noch den Backpack auf dem Rücken quatschten uns schon die ersten Menschen an. Billige Zimmer hier, noch billigere Zimmer dort. Nach kurzem Orientieren entschieden wir uns für einen der Herren, welcher uns dann in die drei Gehminuten entfernte Unterkunft führte. In einer Nebenstrasse des Djemaa el Fna ging es in einen Hauseingang. Wie man es so aus der arabischen Kultur kennt, bunt und gefließt. Ab in den zweiten Stock und das schlichte Zimmer bestaunen. Für einen kleinen Betrag hätten wir dort übernachten können. Doch wie es in der arabischen Kultur so üblich ist, feilschten wir noch ein wenig und letztenendes war es ein Spottbetrag, den wir fürs Zimmer zahlten.

Nach einer eintägigen Erkundungstour durch Marrakesch ging es in die nahegelegenen Atlas Berge auf einen Hicke. Traumhafte Aussichten haben sich uns dort geboten, vorbei an Ziegenherden und einfachen Häusern.
Zurück in Marrakesch, eine weitere Nacht von 23.12 auf den 24.12. Früh morgens ging es dann mit einer Tour über die holprigen Straßen des Atlasgebirges, hindurch atemberaubender und unvergesslicher Landschaften bis nach Ait-Ben-Haddou. Ait-Ben-Haddou ist ein kleines Dörfchen am Fuße des Atlasgebierges im südöstlichen Marokko. Der Stadtkern des Dorfes ist ein Teil des Unesco Welterbes und der bekannte Film Gladiator wurde dort gedreht.

Weiter ging es durch die flachen Oasenlandschaften bis hin an den Rand der Wüste. (Leider kann ich mich nicht mehr an den Ort erinnern)

 

Weihnachten voll aus Sand

Es war der 24.12.2010. Ein traumhafter Tag, fast so schön wie es das Wetter aktuell in Europa bietet. Weit und breit kein Schnee zu sehen, die weihnachtliche Stimmung nicht 100%tig auf dem Höhepunkt. Aber wir lassen uns nicht abhalten. Weihnachten wir trotz alledem gefeiert, die Familie wird um den Weihnachtsbaum versammelt, es werden Weihnachtslieder gesungen und Keckse gefuttert.
Es ist besinnlich.

So, oder so ähnlich war es bei uns auch. Am Rande der Sahara stoppte unsere Tour und wir verlagerten uns und unser Gepäck auf Kamele. Mit diesem faszinierenden Tieren ritten wir etwa noch ein bis zwei Stunden über Dünen hinweg, vorbei an Sand, Sand und noch mehr Sand. Die Sonne hatte sich langsam bereit gemacht um den Tag zu beenden und bietete uns ein unvergessliches Schauspiel von Farben und Schatten.
Angekommen in unserem kleinen Zeltdort bezogen wir unsere Schlafmöglichkeit für eine Nacht. Kurz darauf hieß es schon, ab auf die Dünen um dem Mond beim Aufgehen zuzuschauen. Keine einfache Angelegenheit!
Auf eine Düne zu steigen ist wirklich anstrengend und man denkt man kommt nicht voran. Der Sand unter den Schuhen schmilzt dahin und man versinkt bei jedem Schritt. Doch wir haben es geschafft!
Oben auf der Düne bietete uns die Natur einen wunderschönen Anblick. Auf der einen Seite verschwand die Sonne hinter dem Horizont und auf der anderen Seite stieg der Mond immer höher dem Himmel entgegen. Die Sterne funkelten so prächtig, wie man es sich kaum kann vorstellen. Unter uns der mittlerweile kalte Sand der Sahara.


Mit unseren Weihnachtsmützen auf dem Kopf, einer Büchse Bier in der Hand und etwas Spass in der Hand stimmten wir uns so auf den Heiligabend ein. Es wurde immer kälter und langsam mussten wir absteigen, zurück zu unserem Zeltlager, welches wir am Fuße der Düne sehen konnten. Denn es ist gefährlich in der Wüste. Entfernt man sich zu weit, kann es sein das man sich verläuft. Alles sieht gleich aus in der Dunkelheit. Überall Sand, Dünen und noch mehr Sand.

Aber wie gesagt, wir hatten das Zeltlager am Fuße der Düne und die Sterne über unseren Köpfen.
Für den Abstieg brauchten wir nur einen Bruchteil der Zeit, die wir für den Aufstieg benötigt haben. Unser Trick war, einfach in riesigen Sprüngen die Düne hinab zu springen, ein Verrücktes Gefühl und schlussendlich Sand überall, bis in der letzten kleinen Ecke meiner Klamotten.

Den restlichen Abend verbrachten wir dann gemütlich am Lagerfeuer, umhüllt von Sand und den magisch funkelnden Sternen, mit Singen, Bongos und einer Flasche Wein.

Weihnachten mal anders. So hat es sich für uns angefühlt. Heilig Abend 2010 war traumhaft und gleichzeitig so unwirklich für uns. Denn ich bin aufgewachsen mit Schnee an Heiligabend. Für mich gehört deshalb einfach eine weiße Weihnacht zum weihnachtlichen Gefühl dazu.

Doch dieser Heiligabend 2010 in der Wüste von Marokko hatte eine andere Magie. Ein Magie die Weihnachten für mich nicht mehr am Schnee fest macht. Sondern am Moment und den Menschen die um dich herum sind.

 

 


 Ich wünsche ein traumhaftes, erholsames und besinnliches Weihnachtsfest und gleichzeitig einen guten Rutsch in das Jahr 2016.

 

"TAUSENDE VON KERZEN KANN MAN AM LICHT EINER KERZE ANZÜNDEN, OHNE DAS IHR LICHT SCHWÄCHER WIRD. FREUDE NIMMT NICHT AB, WENN SIE GETEILT WIRD."
(Siddharta Gautama Buddha)


 

 

Dir hat meine Weihnachten voll aus Sand Geschichte gefallen?
Dann erzähl mir deine magische Weihnachtsgeschichte in den Kommentaren.

 

Unter diesem Link findest du weitere coole Insidertipps (englisch) für Marokko.
Marocco Itinerary Advice & Travel Tips

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